Erst die Tische. Dann die Strategie.

Seminarraum vor dem Workshop: Tische in U-Form, auf jedem Platz eine Flasche Mineralwasser und ein Glas

Kurz gesagt: In Klausuren scheitern Strategien selten an der Diskussion, sondern am Weg danach. Wer Veränderung will, macht sie schon im Workshop spürbar. Und er stellt die Umsetzung in die Mitte der Klausur, nicht ans Ende.

Diese Woche begann mein Workshop mit Möbelrücken. Der Raum war bereit, wie solche Räume immer bereit sind: Tische in U-Form, schwarze Platten, an jedem Platz eine Flasche Mineralwasser und ein Glas, kopfüber auf dem Untersetzer. Vorne der Beamer. Alles sauber, alles erwartbar.

Ich hätte den Raum vorher allein umstellen können. Ich habe es nicht getan. Wir haben die Tische gemeinsam verschoben, die Teilnehmenden und ich. Mit Absicht: Wer über Veränderung reden will, soll zuerst spüren, wie sie sich anfühlt. Sie ist schwer, sie macht Lärm, und am Anfang weiss niemand genau, wo der eigene Tisch hingehört.

Die U-Form ist ein Versprechen ans Reden

Die U-Form ist nicht falsch. Sie ist für die Diskussion gebaut: Alle sehen sich, vorne steht einer, das Wort geht reihum. In dieser Ordnung lässt sich fast alles besprechen – die neue Strategie, die Reorganisation, die Werte, die künftig gelebt werden sollen.

Nur: Besprochen ist nicht umgesetzt. In der Klausur ist die Strasse glatt. Die Argumente rollen, das Flipchart füllt sich, am Abend ist man sich einig. Dann kommt der Montag.

Die holprige Strasse der Umsetzung

Am Montag liegen hundert Mails im Postfach. Das Budget ist längst verteilt. Ein Teil des Teams war nicht dabei und hat andere Sorgen. Und der Kunde ruft an, als hätte es die Klausur nie gegeben.

Viele Projekte sind schon verloren, während sie in der Klausur besprochen werden. Nicht, weil die Idee schlecht ist, sondern weil sie dort nur aus Worten besteht. Worte haben kein Gewicht. Niemand muss sie um eine Ecke tragen.

Die eigentliche Arbeit beginnt dort, wo es holpert: beim ersten Widerstand, bei der ersten Ausnahme, beim ersten «Das haben wir schon immer so gemacht». Wer diese Strecke in der Klausur nicht mitdenkt, plant eine Reise und vergisst die Strasse.

Drei Dinge, die eine Klausur näher an die Umsetzung bringen

  • Den Raum umbauen lassen. Das tun diejenigen, die nachher die Veränderung tragen. Zehn Minuten Tischerücken sagen mehr als jede Folie über Change-Management.

  • Die Umsetzung in die Mitte stellen, nicht ans Ende hängen. Was wird am Montag schwierig? Wer verliert etwas? Wo holpert es zuerst?

  • Den nächsten Termin gleich festlegen. Nicht für neue Ideen, sondern für die Schlaglöcher.

Steht bei euch eine Klausur an und wollt ihr wissen, wie die Strasse danach aussieht? Erzählt mir, woran ihr gerade seid.

PS: Zum Raum gehörte ein Moderationskoffer: Aluminium, Schaumstoff, sauber ausgeschnittene Fächer. Darin ein grüner Kartonkreis, ein Stapel runder Kärtchen, ein Döschen Pinnnadeln, ein paar Filzstifte, Klebepunkte und Haftnotizen. Gebettet wie ein Präzisionsinstrument. Wenn daraus die grosse Zukunft eines Unternehmens entstehen soll, bin ich überrascht. Deshalb habe ich mein eigenes Workshop-Material immer dabei.

Offener Moderationskoffer aus Aluminium mit Schaumstoff: grüner Kartonkreis, runde Kärtchen, Pinnnadeln, Filzstifte, Klebepunkte und Haftnotizen
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